Rechte, Lizenzen, Verträge & Co. für deine Texte

Sandra Huber
Sandra Huber

[Aktualisiert am 22. Juni 2022.]

Du textest nicht einfach nur Texte.
Du erstellst kreative, künstlerische Werke, die auch dementsprechenden Schutz und Wertschätzung von beiden Seiten verdienen.
Und: Du solltest für diese Werke auch entsprechend entlohnt werden, oder?

Von daher ist es wichtig, sich als Texter:in über die generellen Rechte für Texte im Klaren zu sein.

Bedenke:
Ein Werk ist immer die manifestierte Idee des Urhebers.

Was damit konkret gemeint ist?

Jede:r Texter:in sollte seine:ihre Texte, die er:sie verkauft, egal in welcher Form, schützen.
Denn wie ein Text im Endeffekt genutzt wird, liegt nicht grundsätzlich in der Hand des Käufers.

Welche Möglichkeiten und Rechte du dabei als Texter:in hast, erfährst du in diesem Artikel.
(Auch wenn ich natürlich als Nicht-Anwalt keine rechtlich gültigen Empfehlungen geben kann/darf.)

Urheberrecht & Verwertungsrecht für Texte

Grundsätzlich ist allein der Urheber, (d. h. du als Texter:in), im Besitz des sogenannten Urheberpersönlichkeitsrechts.
Von daher hast generell auch nur du das alleinige Verwertungsrecht.

Das bedeutet, dass du als Urheber grundsätzlich allein entscheiden kannst, wann und in welcher Form dein Werk veröffentlicht, vervielfältigt bzw. verbreitet wird.

Innerhalb dieser zwei Rechte für Texte (laut Urheberrechtsgesetz – UrhG) sind folgende Rechte für den Urheber enthalten:

  • Veröffentlichung
  • Anerkennung der Urheberschaft
  • Entstellung des Werkes
  • Vervielfältigung
  • Ausstellung
  • Vortrag, Aufführung und Vorführung
  • öffentliche Zugänglichmachung
  • Wiedergabe durch Bild- oder Tonträger

Rechtlich gesehen kann dieses Verwertungsrecht auch nicht abgetreten (also verkauft) werden. Aaaaber … lies weiter:

Lizenzvertrag mit Nutzungsrechten

Allerdings kann ein:e Texter:in Dritten (d. h. deinem Kunden/Käufer) durch in einem Lizenzvertrag genau festgelegten Nutzungsrechten erlauben, das von ihm erstellte/überarbeitete Werk zu nutzen.

Grundlegend ist dabei § 31 UrhG.

(„Überarbeitet“ deswegen, da nicht nur eine komplette Texterstellung einem Urheberrecht unterliegt, sondern potenziell auch ein lektorierter Text – je nachdem wie tiefgreifend die Änderungen waren.
Übersetzungen zählen übrigens nach dem deutschen UrhG bereits dazu.)

Die in einem Lizenzvertrag enthaltenen Parameter bestimmen eine Nutzung vom Käufer exakt in Bezug auf örtliche, zeitliche und inhaltliche Einschränkungen, (wobei ein zeitlich festgelegter Faktor 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers nicht mehr greift).

Es gibt auch ein Nutzungsrecht ohne Einschränkungen.
Das ist ein sogenanntes ausschließliches, d. h. uneingeschränktes Nutzungsrecht – das, was z. B. die meisten Self-Publisher wählen und den höchsten finanziellen Ausgleich für den:die Texter:in/Lektor:in bringt.

Bei regulären Contenterstellungen sind in einem Grundpreis meist nur einfache Nutzungsrechte enthalten, wodurch der Urheber seine Texte stets auch selbst weiterverwenden darf.
Diese Option wird zu fast 100 % für die Erstellung von z. B. Blogartikeln oder Evergreen-Content genutzt.

Einschränkungen

Pst! Auch wenn du keinen Vertrag mit deinem Kunden über jegliche Verwertungsmöglichkeiten deines Textes abgeschlossen hast, greift die sogenannte Zweckübertragungstheorie:
Ein Text, der bspw. für eine Website erstellt wurde, kann dann nicht einfach auch noch für Druckmedien wie Broschüren o. Ä. verwendet werden.

Pst 2! Auch wenn du bspw. eine solche Nutzungsverletzung mitbekommst, solltest du nicht gleich von einer Böswilligkeit deines Kunden ausgehen.
Die meisten wissen schlichtweg nicht, welche Rechte sie an einem gekauften Text haben.
(Um das gleich von Anfang an auszuschließen, empfehle ich dir, in einem ausführlichen Briefing die gewünschte Nutzung abzufragen und auch in deinen Preis einzuberechnen. Der Kunde weiß somit gleich, wofür er bezahlt und was er bekommt.)

Andere Beispiele zur Verdeutlichung

Beispiel Fotograf

  • Ein Fotograf schießt Bilder zum Testen, die nicht im Kundenauftrag entstanden sind.
  • Der Fotograf verkauft diese Bilder mit Verwertungsrechten für andere an eine Bilddatenbank, (um für sich Werbung zu machen).
  • Diese Bilder sind preislich für jeden leistbar – sind jedoch Stockfotos, die tausend andere auch verwenden können.
  • Wenn jemand exklusive Fotos haben möchte, muss er bei dem Fotografen einen Auftrag mit ausschließlichen Nutzungsrechten für die Fotos anfragen, die dann weder er noch andere verwenden dürfen.

Beispiel Ghostwriter

  • Ein Unternehmer engagiert einen Ghostwriter, da er selbst zwar die Ideen für ein Buch, aber nicht das Handwerkszeug oder Talent zum Schreiben hat.
  • Da der Unternehmer selbstverständlich will, dass er alleinig über die erstellten Texte verfügen kann, erwirbt er in einem Lizenzvertrag mit dem:der Texter:in ein ausschließliches bzw. uneingeschränktes Nutzungsrecht.
  • Andernfalls könnte der Ghostwriter die erstellten Texte auch für andere Aufträge (z. B. in Teilen für Blogartikel) weiterverwenden.

Letzteres ist übrigens auch gängige Praxis bei Verlagen.
Wenn ein Autor einen Vertrag mit einem Verlag eingeht, tritt er damit zwar nicht seine Rechte für seine Texte ab, räumt jedoch dem Verlag i. d. R. die ausschließlichen Nutzungsrechte ein, dass das Buch nicht auch bei einem Konkurrenten erscheinen kann.

Mögliche Beschränkungen von Nutzungsrechten

Sobald man bei einer Dienstleistung Nutzungsrechte am erstellten Werk mit verkauft, sollte man dies, wie gesagt, in einem Lizenzvertrag festhalten.
In diesem können Nutzungsrechte auch individuell eingeschränkt werden:

  • räumlich
  • zeitlich
  • inhaltlich
  • räumlich für bspw. nur bestimmte Länder (z. B. gängige Praxis bei Netflix, wenn es um Lizenzen für das Streamen von Filmen geht)
  • zeitlich für einen festgelegten Zeitraum bis zu einem bestimmten Zeitpunkt
  • inhaltlich zur separaten Vergabe einzelner Nutzungsarten, damit ein Werk vielfältiger genutzt werden kann – (sinnvoll z. B., wenn man ein Buch bei einem Verlag veröffentlichen will, sich aber die Möglichkeit für ein Hörbuch offenhalten will, da dies dieser Verlag nicht anbietet)

Die letztgenannte Beschränkung empfehle ich persönlich, da man damit eine umfassende wirtschaftliche Verwertung seines Werkes sicherstellen kann.

(Aus eigener Erfahrung: Ich kenne einen Autor, der einen Verlagsvertrag eingegangen ist, jedoch dies nicht berücksichtigt hat. Nun kann er sein Buch nicht als Hörbuch verkaufen, da dies der Verlagsvertrag ausschließt.)

Warum gibt es diese Rechte für Texte überhaupt?

Nun, einerseits, da ein Text wie auch ein Gemälde, ein Foto oder eine Grafik eine künstlerische Leistung darstellt und dementsprechend behandelt werden sollte.
Stichwort Wertschätzung.

Andererseits sind Kreative nicht nur auf die Vergütung ihrer Leistung an sich angewiesen, sondern auch auf den Schutz ihres Werkes mit einem potenziell zusätzlichen finanziellen Ausgleich.
Denn wenn bspw. keine ideelle Bindung an das erstellte Werk besteht, sollte dies lieber als Einnahmequelle und Investition in weitere kreative Werke genutzt werden.
(Übrigens ein wichtiger Teil deiner generellen Preisgestaltung als Texter:in.)

Fazit für dich als Texter:in

  1. Informiere dich umfassend über potenzielle Rechte für deine Texte.
  2. Verkaufe niemals einfach nur deinen Text als solches – er ist so viel mehr wert als nur eine beliebige Abfolge von Buchstaben.
  3. Verkaufe deine Dienstleistung nicht nur als Produkt, sondern als Gesamtleistung. Frage die geplanten Verwertungsarten für deinen Text ab und erhöhe den Preis des Produkts gemäß individuell festgelegter Nutzungsrechte.
  4. Halte alles schriftlich fest: bei einfachen Aufträgen über deine AGB, bei komplexeren Projekten über einen Lizenzvertrag.
  5. Sobald du eigene AGB oder einen Lizenzvertrag aufsetzt: Orientiere dich gern an Vorlagen oder Beispielen, aber passe diese unbedingt an dein Unternehmen und das jeweilige Projekt an.

Never just Copy-and-Paste!

Falls du dir bei einem speziellen Fall nicht sicher bist oder Hilfe benötigst, nutz super gern die Schwarmintelligenz der Community meiner privaten Facebook-Gruppe.
Pst! Ich habe in meiner Gruppe für den Start und zur Inspiration einen Beispiel-Lizenzvertrag zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt! Schau vorbei und hol ihn dir!Natürlich steh ich dir auch gern persönlich in einem 1:1-Mentoring zur Verfügung – definitiv die effizienteste Lösung für dich, wenn du Antworten auf deine Fragen benötigst.

Egal wo wir aufeinandertreffen werden: Ich freu mich auf dich!

made with love by catchyadesign™ – since 2019

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nicht so schnell … ;)

Näää

Stell zumindest sicher, dass du weißt, was du dir und dem Textermarkt mit Freelancer-Plattformen antust.

Ok, bisschen plakativ, aber sonst hättest du jetzt nicht weitergelesen, oder?

Lies also zur Sicherheit meinen Erfahrungsbericht über die ganze Chose, dann darfst du weiterklicken. ;)