Arbeiten im Ausland – Digitale Nomaden, Geo-Arbitrage & Co.

Sandra Huber
Sandra Huber

[Aktualisiert am 22. Juni 2022.]

Auch wenn der Begriff in vielen Kreisen mittlerweile schon etwas ausgelutscht ist:

Digitale Nomaden sind real und werden auch trotz Corona mehr denn je.

Klischees vs. Realität von einem Leben & Arbeiten als Freelancer haben wir schon in einem früheren Artikel beschrieben.

In diesem Post soll es generell um das Leben & Arbeiten im Ausland gehen und ob dieser Lifestyle auch etwas für dich sein könnte.
Denn das absolute Plus und i-Tüpfelchen zum selbstständigen Arbeiten als Freelancer ist eine grenzübergreifende Ortsunabhängigkeit.

Oder? Well, it depends …

Was sind überhaupt Digitale Nomaden?

Ein Digitaler Nomade ist kein Beruf – es ist eher die Beschreibung eines persönlichen und beruflichen Lebensstils.
Ein Lebensstil „out of the box“.
(Auf die typischen Quirks von Digitalen Nomaden und den daraus entstandenen Vorurteilen will ich heute aber nicht eingehen. 😉 )

Zurück zum Begriff:
Digital, weil ausschließlich online arbeitend.
Nomade, weil (meist) ohne festen Wohnsitz.

„Digital“ trifft sogar in eigentlich fast allen Fällen zu – egal ob Freelancer, Solopreneur oder Entrepreneur.
„Nomadisch“ ist flexibel interpretierbar. Manche wechseln tatsächlich alle paar Monate oder gar Wochen den Aufenthaltsort. Manche haben dagegen eine (inoffizielle) Homebase und reisen nur für Visaruns oder Kurzurlaube. Wieder andere haben (noch) einen offiziell gemeldeten Wohnort und reisen nur von dort aus (wann sie möchten) und nehmen ihren Laptop einfach mit.

Da wären wir auch schon beim wichtigsten Utensil eines Digitalen Nomaden: Der Laptop – tragbares Büro, mobile Kommandozentrale, digitaler Kommunikationskanal und wertvollster Besitz in einem.

So sieht die Theorie und auch der Mythos um das Leben als Digitaler Nomade aus.

Eine immer wieder gestellte und durchaus berechtigte Frage ist von daher seit jeher:

Wie können Digitale Nomaden das Reisen und Arbeiten so gut verbinden?

Nun, das Reisen assoziiert der Normalbürger mit Urlaub. Ganz weit weg von Arbeit.
Um genau zu sein, als Erholung von der Arbeit.

Digitale Nomaden arbeiten dort, wo sie gleichzeitig Urlaub machen (könnten) – ein fließender Übergang.

Das klappt vor allem aus 2 Gründen super gut:

  1. Arbeitstechnisch sind sie an nichts gebunden, an kein Büro, keinen Arbeitsplatz und auch an keine Kunden, für die man physisch präsent sein müsste. Sie können arbeiten, sobald sie ihren Laptop aufklappen, den sie theoretisch überall mit hinnehmen können.
  2. Klar, reisen kostet. Das können Digitale Nomaden aber durch günstigere Lebenshaltungskosten wieder ausgleichen. Stichwort Geo-Arbitrage.

Was ist dieses Geo-Arbitrage für Digitale Nomaden eigentlich?

Da wären wir auch schon beim lieben Thema Geld.

Du hast bereits verstanden, dass bestimmte Berufe (selbstständig oder nicht) remote, d. h. von unterwegs auf dem Laptop ausgeübt werden können.

Wie sieht das praktisch aus?

Stell dir einen angestellten Webdesigner bei einem fancy Start-up in Berlin vor.
Er geht Montag bis Freitag ins Büro, setzt sich an seinen PC, arbeitet an zugeteilten Projekten und geht nach Feierabend wieder nach Hause.

Er könnte jedoch auch, (wenn das Start-up dies erlaubt), für ein paar Wochen/Monate auf die Philippinen fliegen, sich an seinen mitgebrachten Laptop an einem Platz seiner Wahl setzen, an den zugeteilten Projekten arbeiten und nach dem (ihm selbst erteilten) Feierabend nicht nach Hause, sondern in sein Airbnb direkt am Strand gehen. Falls der Laptop die gleichen technischen Voraussetzungen wie der PC/Mac im gewohnten Büro in Berlin hat, gibt es für seine Arbeit an sich keinen Unterschied.

Den Flug hat er sich leisten können, weil er dafür ca. nur ein Drittel für Essen und Trinken ausgibt und auch die Miete, (was in Deutschland bei vielen fast die Hälfte des Gehaltes ausmacht!), nur einen Bruchteil kostet.

Geldverdienen und relatives Einkommen

Das zugrunde liegende Prinzip dieses Geldverdienens und -ausgebens heißt Geo-Arbitrage und relatives Einkommen.

  • Geo, weil es weltweit gilt (mit der Kalkulationsbasis des Heimatlandes).
  • Arbitrage, weil es eine Ausnutzung der unterschiedlichen Lebenshaltungskosten und Lohnniveaus ist.
  • Relatives Einkommen, da du nicht nur in deinem Heimatland, sondern weltweit über den Tellerrand blickst und du dadurch nicht an einen absoluten Blickwinkel gebunden bist.

Einfach gesagt: Du hast simpel mehr von deinem Geld (Ersparnisse oder Einkünfte), wenn du es in kostengünstigeren Regionen ausgibst.

Kleiner Disclaimer:

Warum sind viele nur neidisch und machen es aber nicht selbst?

Nun, wie bereits gesagt, Digitale Nomaden leben einen eigenen Lifestyle.
Einen Lifestyle, den jedoch viele mit ihren Wünschen und Träumen nicht vereinbaren können.

Mittlerweile kann ich persönlich fast keine Gründe mehr dagegen finden. Sogar der Wunsch nach einem eigenen Haus, einer eigenen Familie oder einem lokalen Business könnten mich davon abhalten, dort zu leben und zu arbeiten, wo ich gerade will.

Ein einziger Grund dagegen kann also sein, dass man einfach nicht weg WILL. Und das ist dann auch völlig in Ordnung so.
Nur dann muss man sich auch mit den Kosten und Pflichten des jeweiligen einkommensstarken Landes arrangieren und sollte darüber nicht meckern.

Also nur Vorteile, oder was?

Nope: Natürlich hast du auch Kosten, wie z. B. für ein Visum und eine zusätzliche Krankenversicherung.
Und natürlich ist remote zu arbeiten, nicht für jeden Beruf und auch nicht für jeden Charakter geeignet.

Was du auch berücksichtigen solltest:
Die genannten Möglichkeiten für Digitale Nomaden sollten nicht zum ausschließlichen Ausnutzen von niedrigeren Lohnniveaus im Ausland führen.

Für mich persönlich bringt jeder Vorteil, den ich haben kann, auch eine gewisse Verantwortung mit sich: Es ist immer ein Geben und Nehmen.
Von daher will ich mein wirtschaftliches Privileg in einkommensschwächeren Ländern nicht hämisch lächelnd ausnutzen, sondern an das Land, an die Menschen oder sonstige Bedürftige etwas zurückgeben.
(Durch Sebastian von Wireless Life habe ich dafür eine tolle Inspiration gefunden: Da wir als Digitale Nomaden weniger offizielle Steuern zahlen, spenden wir 10 % unseres Einkommens an lokale Charitys.)

Das Ganze kommt nämlich mit einer Verantwortung …

Ja, du kannst in Indonesien oder auf den Philippinen mit dem Geld, das du mit wirtschaftlich bessergestellten Kunden verdienst, wie ein König leben, was in Deutschland vielleicht nur für Berlin-Marzahn gereicht hätte.

Jeder von uns sollte jedoch auch seinen persönlichen Beitrag in dieser Welt leisten, damit sie ein klein wenig besser und gerechter wird.

Ja, ich zahle durch den besonderen Status als Digitaler Nomade (meist) keine Steuern, kann aber dafür mehr lokale Businesses mit höheren Ausgaben unterstützen. Und ich habe auch mehr Zeit und Geld für eigene oder andere lokale Charitys für Menschen, die wirklich Hilfe benötigen.

Geld und auch Zeit, was ich z. B. in Deutschland nicht hatte, da ich mich brav an das halten musste, was das System vorgegeben hat bzw. auf meiner Steuererklärung stand.
Geld und Zeit, um das zu unterstützen, das mir wirklich am Herzen liegt und wo es auch wirklich ankommt.

Wo und wie ist dieses etwas andere System eigentlich entstanden?

Das Konzept von Geo-Arbitrage gibt es wohl schon so lang, wie es auch regionale Währungs- und Verdienstunterschiede gibt.
Zum ersten Mal gehört habe ich davon in einem meiner Lieblingsbücher: „The 4-Hour Work Week“ von Tim Ferris.
Der Erfolgsautor beschreibt es absolut treffend, wie ich finde:

»I don’t want to be a millionaire. I just want to live like one.«

Word.

Wo kann ich als Digital Nomad nun leben und arbeiten?

Das ist eigentlich ganz einfach: Dort, wo es dir gefällt, die Arbeitsumgebung passt und du kreativ und motiviert sein kannst.

Ein Digitaler Nomade kann sich seinen miteinander kombinierten Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz frei aussuchen.
Nur du selbst weißt, was für dich und deine Arbeit am besten ist.

Für den einen ist das ein warmes Klima, eine große Community und viel Freizeitmöglichkeiten.
Für den anderen ist das vielleicht die etwas kältere Alternative, Ruhe und Einsamkeit.
Für die meisten ist jedoch eine gute Internetverbindung, günstige Wohn- und Essenspreise und die Umgebung mit Gleichgesinnten obligatorisch.

Was für dich für optimale Lebens- und Arbeitsbedingungen nötig ist, bestimmst nur du allein.

Erfahrungen und Anregungen dafür kannst du dir auf der Plattform von Nomad List holen.
Hier werden von anderen Digitalen Nomaden Länder anhand von möglichen Faktoren beurteilt, die eine Entscheidung transparenter machen können. Faktoren wie bspw. durchschnittliche Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Internetgeschwindigkeit oder verfügbare Coworkings.

In Zeiten von Corona kann natürlich zeitweise der Zugang zu bestimmten Ländern eingeschränkt oder mit bestimmten Voraussetzungen belegt sein.
Eine so aktuell wie möglich gehaltene Übersicht findest du z. B. auf TripsGuard.

Noch Bedenken, wie das Ganze in der Praxis aussehen könnte?

Falls du dir noch nicht sicher bist, ob der Lifestyle eines Digitalen Nomaden das Richtige für dich ist, kann ich dich beruhigen:
Es ist definitiv nicht für jeden etwas. Genau das kannst du aber nur herausfinden, wenn du es selbst ausprobierst.

2 Tipps für dich zum Schluss:

    1. Probiere den Lifestyle erst einmal testweise aus und arbeite remote von einem anderen Ort als von zuhause oder deinem Büro.
      Frag deinen Chef, ob du auch im „Homeoffice“ arbeiten könntest.
      Wenn du bereits selbstständig bist: Nimm deinen Laptop an einen anderen Ort einfach mit und versuche dort, ein paar Monate zu leben und zu arbeiten.
    2. Umgib dich mit Menschen, die entweder den gleichen Lifestyle leben wollen oder es bereits tun.
      Um als Digitaler Nomade Fuß zu fassen, entmutigen dich Neinsager oder Zweifler eher. Lass dich lieber auf den Sozialen Medien inspirieren und verfolge Posts und Storys von Personen, die dich zu deinem Ziel ermutigen können.
    Folg mir super gern auf Instagram oder Facebook und erfahre, wie z. B. mein Leben und Lifestyle als Freelance-Texterin auf Bali so aussieht.

made with love by catchyadesign™ – since 2019

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nicht so schnell … ;)

Näää

Stell zumindest sicher, dass du weißt, was du dir und dem Textermarkt mit Freelancer-Plattformen antust.

Ok, bisschen plakativ, aber sonst hättest du jetzt nicht weitergelesen, oder?

Lies also zur Sicherheit meinen Erfahrungsbericht über die ganze Chose, dann darfst du weiterklicken. ;)